Genre-Regisseure aus dem Baskenland: Da fällt den meisten vermutlich nicht so viel ein – außer Álex de la Iglesia. Genau der hat dazu beigetragen, dass das aber – zumindest bei HARD:LINE-Besuchern – künftig nicht mehr so sein wird. Er unterstützte nämlich Paul Urkijo Alijo als Produzent bei dessen Spielfilmdebüt ERREMENTARI, das die Augen der Welt erstmals auf den am 22. Juni 1984 in der baskischen Hauptstadt Vitoria-Gasteiz geborenen Filmemacher richtete. Und zwar im großen Stil, denn seine so ästhetische wie atmosphärische Inszenierung einer Volkssage über das Austricksen des Teufels, gedreht in einem fast ausgestorbenen Dialekt aus dem 19. Jahrhundert, wurde von Netflix als „Original“ veröffentlicht und folglich rund um den Globus verfügbar gemacht.
Aber natürlich begann Urkijos Film-Geschichte schon erheblich früher: während seines 2008 abgeschlossenen Studiums der Kunstwissenschaft, als er seine ersten Kurzfilme drehte. Bereits in THE LEAD FISH finden sich Elemente, die sein Werk bis heute prägen: Die Handlung dreht sich um eine schaurige Legende, und der Kameramann ist Gorka Gómez Andreu – wie bei nahezu sämtlichen folgenden Arbeiten Urkijos. Bis 2020 veröffentlichte er insgesamt acht Kurzfilme, die weltweit mehr als 400-mal bei Festivals gezeigt wurden. Dabei bewies er eine enorme Bandbreite, vom bitteren Kambodscha-Kinder-Drama MONSTERS DO NOT EXIST bis zum Semi-Stummfilm-Horror DAR-DAR. Insbesondere EL BOSQUE NEGRO von 2015 sticht heraus: Der auf einem Comic von Archie Goodwin (LUKE CAGE) basierende „Sword and Sorcery“-Short gewann 14 internationale Preise und bietet neben garstigem schwarzem Humor ein Monster-Design sowie Make-up FX zum Niederknien.
In Setting, Stil und Stimmung sind hier bereits klare Parallelen zu ERREMENTARI zu erkennen, ebenso beim inhaltlichen Überbau: Urkijos Filme werfen oft ein Schlaglicht auf vermeintliche Autoritäten und ihr Verhalten gegenüber ihrer Umgebung, auf ihre Ignoranz und Arroganz. Eine noch prominentere Rolle spielt das in seinem zweiten Spielfilm IRATI, der 2022 in Sitges den Publikumspreis gewann und im Anschluss in die spanischen Kinos kam. Mit einem Budget von knapp 4,5 Millionen Euro ist er die bislang größte baskische Filmproduktion – und widmet sich, im Gewand eines edlen Fantasyfilms, einerseits der Auseinandersetzung zwischen heidnischem Volksglauben und dem spirituelle Alleinherrschaft beanspruchenden Christentum, andererseits dem Verhältnis zwischen Regierenden und Regierten sowie dessen Auswirkungen auf die (heilige?) Natur.
Urkijo bewegt sich dabei konsequent zwischen den Codes von mythologisch inspirierter Fantasie und historischer Realität. So hat sein Eneko in IRATI den tatsächlichen ersten König von Pamplona zum Vorbild, seine Mari wiederum gilt als höchste baskische Gottheit.
Der hier schon überdeutlich thematisierte Konflikt zwischen Tradition und Moderne steht in seinem jüngsten Werk, dem die Macht der Nacht zelebrierenden Hexenfilm GAUA, endgültig im Mittelpunkt. Ein Konflikt zwischen urwüchsigem Freiheits- und Kontrolldrang, der im Mittelalter zahllose Opfer forderte. Zumeist solche weiblichen Geschlechts, dessen Selbstermächtigung nicht erst hier in den Fokus rückt.
Ob nun die Welt der Vergangenheit mit ihren Mythen und Ritualen tatsächlich eine bessere war? Das gilt es zu diskutieren. Paul Urkijo Alijo liefert den Soundtrack dafür. Auch wortwörtlich: Mit seiner Metal-Band HORTZAK hat er am 26. Januar das zweite Album veröffentlicht. Der Titel, in Deutsch: „Ich möchte nicht glücklich sein.“
Nun freuen wir uns extrem Paul als Gast willkommen zu heißen. Er wird das komplette Festival über vor Ort sein. Kommt rum und taucht ein in die phantastische baskische Filmwelt!
PAUL URKIJO ALIJOS FILME BEIM DIESJÄHRIGEN FILMFEST

GAUA
Freitag 17. April 2026 | 20:00 Uhr
Während die Kirche ihre Macht durch Hexenmärchen zu sichern versucht, erwacht die Nacht zum Leben und zeigt in vier verwobenen Geschichten ihr wahres Gesicht: so furchterregend wie freiheitstrunken...
ESP, USA 2025 | 87 Minuten

IRATI
Samstag 18. April 2026 | 15:00 Uhr
Ein Fantasy-Adventure-Epos mit Folk-Horror-Motiven. Prunkt mit wunderschönen Bildern und jeder Menge dunkler Fabelwesen wie Hexen, Zyklopen, Riesenschlangen. Zu Recht Publikumsliebling in Sitges...
ESP, FR 2022 | 114 Minuten

ERREMENTARI
Sonntag 19. April 2026 | 15:00 Uhr
Willkommen in der Hölle! Der Einsatz von fünf Polizisten in einem verfallenen Haus irgendwo im Nirgendwo wird zum grandios garstig-blutigen Trip in eine bizarre Zwischenwelt voller Gewalt und Tod.
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ESP, FR 2017 | 98 Minuten